Terra Preta, eine von Menschen gemachte Super-Erde?

Terra Preta ist in aller Munde und zu recht.


Terra Preta kann viel:

- sie bietet unzähligen Mikroorganismen Lebensraum

- sie erhöht die Biodiversität im Boden

- sie kann den Wasserhaushalt regulieren

- sie kann bei Trockenheit Feuchtigkeit an die Pflanzen abgeben

- sie erhöht nachhaltig den Humusanteil in unseren Böden

- sie kann überzählige Nährstoffe aufnehmen

- sie kann Nährstoffe für Pflanzen besser verfügbar machen

- sie kann Nährstoffe bei Bedarf an die Pflanzen abgeben

- sie kann Böden entgiften, so die Bodenmüdigkeit bei Rosen

- sie bindet CO², das problematische Klima Gas, dauerhaft im Boden

- sie fördert das Pflanzenwachstum

- sie fördert die Pflanzengesundheit


Terra Preta braucht man nicht zu kaufen. 

Terra Preta kann man leicht selbst herstellen.


Was benötigen wir dafür?


Holzige Gartenabfälle, am besten aus dem eigenen Garten um Pflanzenkohle herzustellen.

Küchen- und Gartenabfälle, wie Laub, Hecken- und Rasenschnitt für die Terra Preta.


Pflanzenkohle ist groß im kommen.

Warum? Weil in jedem Garten, Schrebergarten, Gärtnerei und jedem landwirtschaftlichem Betrieb mehr oder weniger viel Biomasse und darunter auch holziges Material anfallen.
Dieses kann professionell oder semiprofessionell in Pflanzenkohle umgewandelt werden. Pflanzenkohle ist zum einen bereits eine Art von Dünger für unsere Böden, zum anderen ist sie einer der Ausgangsstoffe für selbst gemachte Terra Preta. Pflanzenkohle wird von vielen für das Tierwohl eingesetzt, so bei Haustieren, Pferden und Nutztieren.

Ich mache meine Pflanzenkohle in einem Erdloch, dem Erd-Kon-Tiki. 


Zuerst ein Loch mit einer Wandneigung von 58° bis 63° ausheben.

Dann ein Wasserrohr schräg von Außen zur Mitte hin eingraben.

Ich habe den Auslauf mit einem alten Tonuntersetzer abgedeckt.

Am Ende des Wasserrohres ist ein Schraubgewinde für einen Wasserhahnabgang.

Nun den Steinring zur Befestigung des Randes schließen.

In der Mitte ein kleines Häufchen gut getrocknetes Anzündholz aufschlichten.

Das Feuer anzünden und wenn es richtig Brennt vorsichtig nachlegen. 

Dabei Aschebildung möglichst durch nachwerfen von kleinen Holzstücken vermeiden.

Die Pyrolyse ist nun in vollem Gange.

Dabei werden Temperaturen von 700 Grad erreicht, also Vorsicht walten lassen.

Der Gartenschlauch liegt parat um bei Funkenflug notfalls zu löschen.

Nun darf auch gegrillt werden, denn es dauert 3 Stunden, bis die Kohle fertig ist.

Immer wieder nachlegen und Aschebildung unterbinden.

Häckselgut tut da gute Dienste.

Wenn der ganze Erd-Kon-Tiki mit Holzkohle angefüllt ist, wird es Zeit abzulöschen.

Den Gartenschlauch an das Wasserrohr anschließen.

Nun steigt von Unten das Wasser im Erd-Kon-Tiki an und entzieht die Wärme.

Dabei gibt es kaum Rauchentwicklung, nur ein leises Zischen verrät das Ansteigen.

Ist der Erd-Kon-Tiki bis zum Rand gefüllt, die schwimmende Kohle nach unten drücken.

Wasserzufuhr abstellen, die durch Pyrolyse hergestellte Pflanzenkohle ist abgelöscht.

Das Ablöschen ist ein wichtiger Schritt, es aktiviert die Pflanzenkohle.

Das Ablöschwasser kann nun zur späteren Verwendung geschöpft werden.

Das Ablöschwasser ist ideal zum biologischen Pflanzenschutz, Pflanzenstärkung, Schnecken vergällen und vielem mehr. Es kann einige Zeit aufgehoben und angewendet werden. Der pH-Wert liegt bei über 12.

Die Pflanzenkohle kann nun mit einer Schaufel entnommen werden.

Ich fülle sie in Baumtöpfe, hier kann das Restwasser gut ablaufen und die Pflanzenkohle schnell abtrocknen.

Nach einigen Wochen ist die Pflanzenkohle gut trocken und kann leicht zerkleinert werden.

Direkt nach dem Ablöschen gelingt dies nicht so optimal.


 

 

 

Pflanzenkohle mit Erd-Kon-Tiki



Thomas Unkelbach macht es in seiner Carbonisierungsanlage. Hier der Link


Im nächsten Schritt wird die getrocknete und zerkleinerte Pflanzenkohle als Terra Preta angesetzt. Dazu benötigen wir, etwas angerotteten Kompost ( er enthält die erforderlichen Mikroorganismen ), sowie frische Küchen- und Gartenabfälle. Mist von Klein- oder Großvieh macht sie gehaltvoller. Es geht aber auch ganz Vegan.


Gleich ob wir nun 100 m³, eine Schubkarre voll, oder gar nur einen Eimer anmischen wollen, wir benötigen immer 10 Volumenprozent Pflanzenkohle.


Alle Bestandteile werden nun gut vermischt und mit einer Plane gegen Regen geschützt. Auf keinen Fall luftdicht abschließen, denn die Terra Preta wird von den Mikroorganismen erschaffen und die benötigen Luftsauerstoff um leben zu können.


Das Datum des Ansetzens gut notieren und nach 6 Wochen den Haufen noch einmal vermischen. Wieder mit der Plane gegen Regen schützen.


Nach weiteren 6 Wochen, also insgesamt 3 Monaten ist die Terra Preta fertig und kann verwendet werden. 


Achtung! Terra Preta hat einen hohen pH-Wert und ist daher pur nicht für Moorbeet-Pflanzen geeignet. 


Wenn die Terra Preta fertig ist, kann sie zum verbessern des Bodens eingesetzt werden. Bei Neupflanzung von Lilien zum Beispiel ein großes und tiefes Loch graben. Die Terra Preta ganz unten hinein geben und mit dem vorhandenen Erdreich vermischen. Darauf dann die Lilienzwiebeln geben und mit dem normalen, oder auch mit Terra Preta angereichertem, Erdreich anfüllen. Füllt man das Pflanzloch nicht ganz bis zum Rand auf, kann man besser angießen. Filmchen dazu gibt es bei Lilien-Arche auf Facebook.


Noch Fragen? Ruft mich einfach an, oder schreibt mir eine E-Mail.


Wenn ihr erfolgreich wart, schickt mir doch Bilder und Berichte von eurer Terra Preta.


Liebe Grüße aus der Lilien-Arche


Stefan Strasser


P.S.

Weitere Informationen zu Pflanzenkohle, Terra Preta und vielen anderen Gartenthemen findet ihr im Forum der Gesellschaft der Staudenfreunde e. V.


Hier der Link für euch, viel Spaß im GdS Forum.